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Nürnberg T.7 - Predigt zum 60. Geburtstag 2008
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Anliegen meiner homepage
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Das Bild entstand an meinem Geburtstag in der Adventgemeinde Nürnberg-Altenfurt Gemeinde Treffpunkt 7. Dort hielt ich nachfolgende Predigt "Mein Leben mit Gott - Reflektion!" Anschließend setze ich die Predigt über mein momentanes Gottesbild. Diese Predigt wurde als Artikel in dem Heft "Dialog" von der Hochschule Friedensau veröffentlicht. Der Artikel löste unterschiedliche Reaktionen aus. In dieser homepage möchte ich auch in den Dialog zu den Lesern treten und freu mich über Rückmeldungen und ernstzunehmende Kritik. Meine Predigten und Gedanken zeigen auch meine persönliche Entwicklung. Ich bin nicht fertig in meinen Veränderungen, in meinem Weitergehen, Entscheiden und Handeln. Meine Entwicklung - und deshalb veröffentliche ich diese Predigten - möchte ich mit den Leserinnen und Lesern teilen. Ich wünsche jedem ein lebensbejahendes Nachdenken und Nachspüren.
Hinweis:
die Predigten können heruntergeladen werden, dürfen aber nicht kommerziell verwendet werden. Bei Veröffentlichungen ist mein Name als Verfasser zu nennen. Danke!
Alle Texte und Bilder sind berechtet bei Hans-Joachim Scheithauer ©
Möge beim Lesen ein guter Kontakt zu Gott und der eigenen Seele entstehen!
Hans-Joachim Scheithauer
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Reflektion
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R E D I G T
Mein Leben mit Gott - Reflektion!
Philipper 4, 13: „Alles kann ich durch Christus, der mir Kraft und Stärke gibt.“
E.: Zitat: „Gott hat uns durch Jesus erkauft. Wir sind sein Eigentum. Dieses Wissen um das völlige Angenommensein von Gott ist die Basis, auf der wir leben und frei sein können.“ (Wilhard Becker in „Diktiert von der Freude“ S. 41 von 1972)
I. Mein wichtigstes Gotteserlebnis
Als ich 1971 in Frankfurt meinen Dienst als Pastor begann, war ich intensiv mit den Fragen beschäftigt, wie Gott mich sieht, was er mit mir vor hat und ob ich dann, wenn Jesus wiederkommt, von ihm akzeptiert bin und ewiges Leben haben werde?! Ich habe viele Kollegen gefragt, ob wir als Christen die Gewissheit über unser Ewiges Leben haben können? Manchmal kam ich mir vor, als hätte ich eine schlimme Sünde begangen, eine solche „anmaßende“ Frage zu stellen. Es kam keine klare Antwort sondern Ablehnung, Negation, Unverständnis. Zum Glück gab ich mich nicht damit zufrieden. Ich wollte wissen, ob ich mit der Gewissheit über mein Ewiges Leben in meine Zukunft und in meine Arbeit als Seelsorger gehen kann. Als ich dann die Bibel las, stieß ich auf den Text Johannes 3, 36: „Wer an den Sohn Gottes glaubt, der h a t das Ewige Leben…“ Da hab ich zu Jesus danke gesagt und ab diesem Augenblick war bei mir kein Zweifel mehr. Ich weiß, dass ich auf der neuen Erde leben werde. Dieser schwierige Akt über die Gewissheit kam für mich zu einem guten Ende. Und nun konnte ich beginnen, mich um mein Leben hier auf dieser Erde zu kümmern. Eine Grundlage war geschaffen. Viele Diskussionen in den fast 37 Dienstjahren folgten. Und es ging immer wieder um dieses Thema der Heilsgewissheit. Als Argument kam: Ja, Jesus hat uns mit dem Ewigen Leben beschenkt, aber du musst aufpassen, dass du es nicht wieder verlierst. Und wenn das so wäre, dass wir die Gewissheit haben und uns diesbezüglich nichts mehr passiert, dann können wir ja tun und lassen was wir wollen. Mir kommt dann immer in den Sinn, was das wohl für ein Gott sein mag in den Augen derer, die so argumentieren. Welches Bild haben sie von ihm. Und was hat sich bei ihnen festgesetzt und was haben sie verstanden, wenn sie von Gott Beschenkte sind? Ist eine Beziehung entstanden oder war es nur ein absichern, um ein Gottfernes Leben zu führen und letztlich gegen sich selbst um am Ende, sich vielleicht doch noch in den Himmel schleichen zu können? Oder sie haben sich noch nicht intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt. Nur übernommen ohne zu hinterfragen. Das Zitat, das ich an den Anfang stellte, entnahm ich aus einem Büchlein von Wilhard Becker „Diktiert von der Freude“. Ich bekam das Büchlein empfohlen und las es gerade in der Zeit, wo ich mich mit dem Thema des Ewigen Lebens auseinandersetzte. Das war 1972. Neu herausgebracht. Ich war fasziniert über den Inhalt. Viele Jahre später las ich eine Broschürenreihe von Wilhard Becker mit dem Hauptthema: Selbstfindung. Damit arbeite ich u. a. in der Seelsorge. Während ich mein Bibelstudium intensivierte und nach stichhaltigen Aussagen der Bibel suchte, die mir die Gewissheit über mein Ewiges Leben absichern, dass ich von Gott nicht mehr loskommen kann, stieß ich auf einen Text im 1. Johannesbrief 3, 9. Ich lese ihn nach der Interlinearübersetzung: „Jeder Gezeugte aus Gott tut nicht Sünde, weil sein Same in ihm bleibt; und er kann nicht sündigen, weil er aus Gott gezeugt ist.“ Zunächst hatte ich ein Problem. Da ich weiß, dass ich Fehler mache, ein Mensch bin der sündigt, andere durch mein Verhalten verletze, mich für das Geschenk Jesu ausgesprochen und angenommen habe, kam die Frage auf, was ich tun muss, um in einen sündlosen Zustand zu kommen. Und manchen habe ich kennen gelernt, der versucht hat, einen sündlosen Zustand zu erreichen. Da wurde ich auf die griechische Grammatik aufmerksam gemacht. Es gibt im griechischen eine Form, die wir im deutschen nicht kennen. Den Aorist, der zwei Formen hat. Eine lineare und eine punktuelle. Im eben genannten Text ist das Wort sündigen in der linearen Form geschrieben. Übertragen nach der griechischen Grammatik heißt das so: „Wer von Gott gezeugt ist, der ist wieder in der unzertrennbaren Beziehung zu Gott und diese Verbindung kann nicht gelöst werden, weil eine Zeugung von Gott geschah und der Lebenskeim in dem Gezeugten bleibt.“
Es hat also nichts mit Fehlverhalten zu tun, sondern mit der Klärung, was durch Adam und Eva eingeleitet wurde, der ewige Tod. Jesus hat am Kreuz die Möglichkeit zur ewigen Verbindung mit Gott geschaffen. Wer sein Opfer akzeptiert und sich damit beschenken lässt, der hat das Ewige Leben. Jetzt haben wir es nur noch mit der punktuellen Sünde zu tun. Da ist genug anzuschauen. Um die andere Art der „Sünde“ zu demonstrieren lesen wir im selben Johannesbrief folgendes: 1. Johannes 2, 1: „Meine geliebten Kinder, ich schreibe euch, damit ihr nicht länger sündigt. Sollte aber doch jemand Schuld auf sich laden, dann tritt einer beim Vater für uns ein, der selbst ohne jede Sünde ist: Jesus Christus.“ Diese punktuelle – ab und zu - Sünde, also mein Fehlverhalten, weil ich Mensch bin, hat mit meinem Ewigen Leben nichts zu tun. Als mir das klar war, konnte ich durchatmen und fröhlich und angstfrei vor Gott meinen Glauben leben. Mein Leben wurde von da an bewusster. Denn es interessiert mich, welche Bereicherung für mich von Gott ausgeht. Was bietet mir Gott an Bereicherung? Was bietet mein Leben, mein Innerstes?! Ich durfte lernen, hin zu spüren, was sich in mir regt. Und ich bin immer noch drüber, weil wir als Menschen immer in der Konfrontation mit dem Leben gefordert sind.
II. Freunde auf meinem Weg
Mein Leben mit Gott hat angefangen Freude zu machen. Ich wurde experimentierfreudig. Mal ausprobieren, was auch gegen die bisherige Tradition läuft. Weshalb, weil ich merkte, dass das Leben mehr zu bieten hat als das Eintönige der Gewohnheit. Dabei habe ich die beste Begleiterin in meinem Leben. Christa, die sich mir anvertraut hat. Ich war nicht immer bequem. Manchmal nervig. War dabei, meinen Weg zu finden. Heraustreten können aus der eigenen Geschichte, die mich prägte, manchmal lähmte. Ich bin ihr sehr dankbar, dass sie bis heute zu mir gehalten hat. Und ich habe viele Freunde gefunden, die den Mut hatten, mit mir zu experimentieren°. Heute sind viele hier her gekommen, mit denen ich und Christa wichtige Wegstrecken gegangen sind und weiter gehen dürfen. Dass wir hier in dieser Gemeinde sein können, hat auch damit zu tun, dass wir im Miteinander unser Innerstes anschauten, dem Experiment des Lebens Raum gaben und Neues wagten. Dafür danke ich euch allen, die mir Mut machten, den Weg der Offenheit, der positiven Konfrontation, des Dranbleibens und der fröhlichen Gelassenheit zu gehen. Ich bin lieben Menschen begegnet, auf unseren Wegstrecken an unterschiedlichen Plätzen. Wir sind Freunde geworden°. Freundschaft war für mich schon von klein an ein Thema. Ich hatte keine Freunde. Das war für mich ein Problem. Und als ich älter wurde, hatte ich Mühe, mich so zu zeigen, wie es mir zumute ist. Und dann begegnete ich Menschen, die sich auf mich eingelassen haben. Und ich mich auf sie. Wo wir uns gegenseitig zumuten durften. Das war für mich eine der größten Faszinationen. Mit mir selbst, mit Gott und mit Menschen eine intensive Beziehung einzugehen.
Gott hat uns zwei Kinder geschenkt. Carsten und Heike. Nach 7 Jahren hat Gott unseren Sohn in seine alleinige Obhut genommen. Wir haben erlebt, dass uns Freunde, viele von euch, begleitet haben. Es hat uns gestärkt und den Mut erhalten dran zu bleiben, im Vertrauen zu Gott. Ein naher Verwandter hat mir erzählt: „Als ich hörte, dass euer Sohn gestorben ist, habe ich eine ganze Nacht mit Gott gehadert und ihn gefragt, warum er so etwas zulässt.“ Zunächst war ich sehr betroffen, aber dann sagte ich mir, er hat mit Gott geredet. Und Gott hat ihn verstanden. Unsere liebe Tochter Heike ist uns besonders in der Zeit der großen Trauer zur Lebensfreude geworden. Und sie hat das Lebensexperiment von Christa und mir miterlebt und unsere Beziehung zueinander ist stark geworden. Heute freuen wir uns, dass sie mit ihrem lieben Freund Simpert unter uns ist. Beziehung leben, ist den Mut haben, mich zu zeigen wie es um mich steht. Und Gott hat am meisten Verständnis für mich. „Alles kann ich durch Christus, der mir Kraft und Stärke gibt.“ Das habe ich erlebt. Ich kann fröhlich sein und traurig, wütend, ärgerlich, frustriert und gelassen, geborgen, beziehungsreich, vertrauensvoll. Alles hat Platz in meiner Seele und in meiner Auseinandersetzung mit dem Leben. Lass ich es zu, wird es mir zur Stärke, zur Lebenskraft. Verhindere ich es, werde ich gelähmt, leiden Beziehungen, gehen Freundschaften in Brüche.
III. Anschauen, sortieren, neu entscheiden
Mein Leben mit Gott hat viel gewonnen. Und ich durfte vielen Menschen eine gewinnbringende Orientierung sein. Das hat mich immer wieder ermutigt, weiter zu machen. Und wenn ich manchmal das Handtuch werfen wollte, vieles nicht verstand, Menschen mit verschlossener Seele über Gott mit mir diskutierten, wo ich Offenheit als Mangelware erlebte, da durfte ich mich auf das Wesentliche besinnen. Gott ist auf meiner Seite. Ich stehe in seiner Sache und er trägt die letzte Verantwortung. Ich darf abgeben, was ich nicht klären und schon gar nicht zur Lösung führen kann. Freunde stehen zu mir und ich will mir und ihnen weiter Vertrauen leben. U. a. habe ich ein wichtiges Lebensmotto für mich gefunden. Es heißt: Anschauen, sortieren, neu entscheiden! Ich möchte noch mal das Kapitel meines Lebens „Kindheit“ aufschlagen. Mein Vater starb, als ich 2 Jahre alt war. Meine Mutter musste den ganzen Tag bis in die Nacht hart arbeiten, um mich und meinen Bruder zu ernähren. Unsere Großmutter hat die Erziehung in der Hand. Ich wurde in der kleinen Stadt Heubach geboren und lebte dort 17 Jahre. Wir hatten eine Adventgemeinde. Jeden Sabbat mussten wir die Hauptstraße entlang zur Gemeinde gehen. Ich kam mir manchmal vor wie beim Spießrutenlauf. Wir als Familie in guten Kleidern, wo andere einen Hauptarbeitstag hatten und die Kinder in der Schule sind. Da gehe ich, für die Bevölkerung zu einer ungewohnten Zeit, in den Gottesdienst. „Grüß Gott“ durften wir nicht sagen, weil – so wurde es vermittelt – Gottesmissbrauch damit betrieben wird. Heute sage ich, dass eine Distanz gepredigt wurde und gerade diejenigen, die das propagierten, Missbrauch mit Gottes Gesetz trieben, um Argumente zu haben, für Feindbilder, zur eigenen Bestätigung, es richtig zu machen, und somit Entfernung anstatt Beziehung gelebt. Es hat leider bei vielen funktioniert. Bis heute. Was mich als kleinen Junge faszinierte war die Art und Weise, wie die Kindertante Atmosphäre gestaltete. Ich kann mich nur an zwei Kinderstunden vom Inhalt her erinnern. Was sich bei mir festgesetzt hat, war die Atmosphäre. Und die war so beeindruckend und einprägend, dass sich später meine Gottesbeziehung leichter und intensiver gestalten konnte. Diese Erfahrung habe ich in meine Tätigkeit als Seelsorger, besonders auch in der Begegnung mit Kindern, mit hineingenommen. Es ist mir klar, dass die Theorie, die Worte, die sogenannten Belehrungen wenig ausrichten. Sie werden vergessen. Wobei sie ihren Platz haben. Was aber letztlich bleibt, ist die beziehungsreiche Atmosphäre. Sie schafft Voraussetzungen zu einer liebevollen Gottesbeziehung. Das erlebe ich bei mir. Wo ich geborgen bin, da kann ich Energie und Kraft entwickeln. Paulus hat das verstanden. Und deshalb konnte er sagen, dass die Beziehung zu Christus, Kraft, Stärke gibt. Heute schaue ich mir mein Glaubensleben und das der anderen genau an. Mein Glaubensleben soll Sinn machen und nicht Formen hochhalten. Ob es unsere innergemeinschaftlichen Kasualien sind, wie Abendmahl, Taufe, Gottesdienstablauf, Lebensgewohnheiten u. a. Oder das manchmal festgelegte Verständnis biblischer Aussagen. Und ich sortiere nach Sinn und Lebensbereicherung und treffe neue Entscheidungen. Gehe ins Gespräch und versuche am Puls der Zeit zu bleiben. Ich entdeckte neue Zusammenhänge in der Bibel, die so lebensnah sind, dass ich jedes Mal staune, wenn ich eine mir sehr bekannte Aussage neu lese und entscheide. Veränderung um der Lebensqualität willen. Das ist meine Prämisse, meine Grundlage, mein Anspruch. Ich habe gelernt, mich mit dem Leben auseinanderzusetzen. Zu konfrontieren, mit der Absicht, dem wirklichen Leben, das in uns verankert ist, zu entsprechen. Es werden so viele Worte in unserer Zeit gemacht. Und häufig reicht ein lieber Blick, eine Geste des Verstehens, eine Atmosphäre der Geborgenheit. Christsein ist für mich zu einer Herzensangelegenheit geworden. Auch ich habe in der Vergangenheit zu viel über Lehre geredet. Wenn ich mich heute mit Pastoren, Pfarrern, Geistlichen anderer Konfessionen unterhalte, dann geht es mir darum, dass wir eine Beziehung schaffen. Erst wenn das gegeben ist, können wir über Erkenntnisse reden. Und es funktioniert. Ich habe das Gefühl, das ich in meinem Glauben ernst genommen werde und sie haben das Gefühl, dass ich sie in ihrer Erkenntnis ernst nehme.
So will ich dank sagen.
Dank an Gott, der mich super durchs Leben begleitet hat. Mich an Gesundheit und Energie erhalten hat. Und mich einsetzte – da wollte ich nicht immer hin - , wo Menschen in eine sichere und geborgene Beziehung zu ihm leben wollten. Ich sage Dank an Christa und Heike, die mir eine vertrauensvolle Atmosphäre geboten haben, wo ich immer wieder auftanken kann. Danke an euch°, die ihr mich begleitet und ich euch begleiten darf. Mein Leben hat gewonnen und ich wünsche mir, dass es so weiter geht. Ich freu mich, mit euch das Leben zu teilen und es einmal für ewig mit euch zu genießen.
Zu meinem 60. Geburtstag, gehalten in Nürnberg Treffpunkt 7 o am 08. März 2008
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Mein Gottesbild
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P R E D I G T
Mein Gottesbild
Matthäus 6, 6 (Hfa): „Wenn du beten willst, geh in dein Zimmer, schließ die Tür hinter dir zu, und bete zu deinem Vater. Und dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird dich dafür belohnen.“
E.: Geschichte aus „Die Blumen des Blinden“ Nr. 55 „Das volle Bethaus“
»Ein jüdischer Gläubiger bleibt an der Schwelle eines Bethauses stehen und weigert sich, es zu betreten. „Ich kann nicht hinein“, sagt er, „es ist ja von Wand zu Wand und vom Boden zur Decke übervoll der Lehre und des Gebets, wo wäre da noch Raum für mich?“ Und als er merkt, dass die Umstehenden ihn anstarren, ohne ihn zu verstehen, fügt er hinzu: „Die Worte, die über die Lippen der Lehrer und Beter gehen und kommen nicht aus einem auf den Himmel ausgerichteten Herzen, steigen nicht zur Höhe auf, sondern füllen das Haus von Wand zu Wand und vom Boden zur Decke.«
In unserer Zeit, in der wir leben, gibt es verstärkt die Frage nach Gott. Als sich um 1840 Darwin aufmachte, um hinter das Geheimnis der Entstehung des Menschen zu kommen, begann auch unter den Christen ein revolutionärer Aufbruch. Entsetzen und Begeisterung wechseln sich ab. Ein neues Fragen beginnt. Wie sieht das aus mit Gott? Welche Rolle spielt er als Schöpfer? Hat er den Menschen aus Erde geformt oder hat er eine Entwicklung angestoßen? Nach der neusten repräsentativen Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach (Bodensee) glauben 63 % der Bevölkerung Deutschlands, dass Menschen und Affen einen gemeinsamen Vorfahren haben. Welche Rolle spielt Gott im Weltgeschehen? Welche in meinem ganz persönlichen Leben? Diese Fragen habe ich mir persönlich gestellt und habe sie mit manchen diskutiert. Je älter ich werde, umso einfacher sehe ich auch die Theologie. Für mich zählen in der Frage nach meinem Ursprung drei wichtige Erkenntnisse: Gott hat mich gewollt! Gott hat mich gemacht! Gott liebt mich und will mich ewig bei sich haben! Von dieser Basis aus schaue ich mein Leben und mein Umfeld an. Wenn ich die Berichte der Bibel im Zeitraffer betrachte, dann geht es Gott immer darum, dass Menschen Gottes Liebe und Zuneigung zu seinen Geschöpfen verstehen. Ich stand in der Gefahr, das Detail mehr zu berücksichtigen und zu diskutieren, als das Hauptsächliche zu entdecken und anzuschauen.
Jesus kam in eine Gesellschaft, in der er das Denken vieler Menschen und besonders der Geistlichkeit, auf Leistung angetroffen hat. Und das führte unweigerlich zu der Überzeugung, dass Gott fordernd ist. Wenn ich es richtig mache, dann ist Gott gut zu mir, mache ich es falsch, habe ich das Problem, dass sich Gott von mir abwendet. Dieses Problem wiederholt sich durch die ganze Menschheitsgeschichte.
Jesus bringt sein Anliegen auf den Punkt: „Gott ist wie ein richtig guter Papa“ (Zitat aus der Volxbibel) Kannst du das so sehen, in deinem Denken, deinen Gefühlen, verankern?
Als Jesus wieder in den Himmel gegangen ist, da haben die ersten Christen versucht, Gemeinschaft so umzusetzen, dass Beziehungen untereinander entstehen können. Sich in Hauskreisen treffen, miteinander Essen und immer wieder an das Geschehen Jesu denken, indem sie während dem Essen einen Moment verweilen und ein Stück Brot und einen Schluck Wein zu sich nehmen.
Sehr bald, und das ist wohl in uns Menschen drin, wurden natürliche Handlungen – wie das Abendmahl – zu einem religiösen Dogma gemacht. Das soviel heißt wie: unabänderlich, die Form und den Inhalt wahren, festhalten, zu einem Heilsgeschehen machen, also heilsnotwendig, um in letzter Konsequenz auf die neue Erde zu kommen.
Diese Entwicklung ging bis in das 4. Jahrhundert, wo begonnen wurde, das Christliche Leben zu institutionalisieren. Weg vom natürlichen, hin zu religiösen Forderungen. Der Klerus (die gelehrte Geistlichkeit) wurde vom Laien (dem unwissenden Volk, den unwissenden Gemeinde/Kirchengliedern) unterschieden. Das Bild von Gott hat sich verändert. Die Institution Kirche hat bestimmt, wie Gott ist, wie er handelt, wie er über den Menschen entscheidet. Die persönliche Beziehung zu Gott wurde übertragen auf den Priester, der eine Vermittlerrolle spielt, da ja der einzelne Gläubige unwissend und dadurch unheilig ist und kein Recht hat, den direkten Draht zu Gott zu halten. Jesus: “Wenn du aber mit Gott reden willst, dann geh in dein Zimmer, mach die Tür hinter dir zu und rede, wie es dir ums Herz ist.“ Eine intimere Beziehung zu Gott gibt es wohl nicht. Jesus weiß, dass jeder diese Nähe zu Gott braucht. Ich mache einen geschichtlichen Sprung in das 19. Jahrhundert. In dieser Zeit haben sich manche Christen wieder auf die Bibel konzentriert, obwohl durch Martin Luther die Bibel für jeden zugänglich wurde. Doch es hat lange gebraucht, bis es beim Einzelnen ankam. Einige Christen haben im 19. Jahrhundert begonnen, auszurechnen, wann Jesus wiederkommen wird. Und wieder wurde festgelegt und die Enttäuschung war programmiert. Das 19. Jahrhundert war der Aufbruch des Perfektionismus. Und ein Merkmal für ein perfektes Leben ist die Wertung: richtig oder falsch! Das hat sich auch in christlichen Gemeinschaftskreisen, auch in unserer Kirche, die ja in dieser Zeit entstanden ist, eingenistet. Ich kann mich an viele Diskussionen in meiner Kindheit, Jugend, erinnern und erlebe bis in die heutige Zeit, dass das Fragen nach „richtig und falsch“ zu langwierigen und frustenden Diskussionen wurde. Mache ich es richtig, ist mein Leben mit Gott in Ordnung. Mache ich es falsch, dann ist mein Verhältnis zu Gott in Frage gestellt. Was ich lange nicht realisiert habe, war der Gedanke, dass es ja Personen geben muss, die eine Norm festlegen. Auch wenn sich solche auf die Bibel berufen, ist es letztlich doch die Sicht ihrer Meinung. Die Sabbatfrage z. B. wird immer noch diskutiert, was ich an diesem Tag machen darf und was nicht. Die Orientierung sind in solchen Diskussionen Aussagen des Alten Testamentes. Die Sabbattheologie des Neuen Testamentes heißt – so von Jesus selbst ausgesprochen - : Markus 2, 27 (Hfa): „Der Sabbat wurde doch für den Menschen geschaffen und nicht der Mensch für den Sabbat.“ (Volxbibel) „Der Sabbat ist doch als ein besonderer Tag für den Menschen geplant gewesen. Es sollte kein Nervtag für ihn sein.“ Mit anderen Worten, Gott beschenkt uns mit einem Tag, an dem wir zur inneren und oft auch äußeren Ruhe kommen können. Und das entscheidet jeder für sich, was für ihn Ruhe und Erholung ist. Dass wir miteinander Gott feiern, uns begegnen und Freude miteinander austauschen hat seine Bedeutung. Doch Diskussionen über richtig und falsch haben dabei keinen Platz. Meine Intention ist die Frage, was schadet mir und was bereichert mich. Ich möchte ein weiteres Bild mit hinein nehmen. Als die Hebräer Ägypten verlassen können und beginnen, sich zu einem Volk zu formieren, hat Gott ihnen Lerneinheiten angeboten, damit sie mit Freiheit umgehen können und selbstständig über ihr Vertrauensverhältnis zu sich selbst, zu Gott und ihren Mitmenschen entscheiden. Es war für sie ein schwieriger Prozess. Mit Freiheit umzugehen, wo viele Generationen vor ihnen in Unfreiheit leben mussten. Gott hat versucht, ihnen zu erklären, was es heißt, einen Gott zu haben, der der Einzige ist und alle anderen Götter von Menschen gemacht sind. Es wurden von Gott zwei Worte benützt, um die Einmaligkeit Gottes bewusst aufzunehmen. Es sind die Worte „rein“ und „unrein“. In allen Lebensbereichen wurden diese Worte eingesetzt. Um einige Bereiche zu nennen: Körperliche Reinigung, Verhalten bei Krankheiten, Nahrung, Kleidung, Wohnung, Mitmenschlichkeit. Diese beiden Worte sollten demonstrieren, dass der, der sich daran hält, auf Gottes Seite steht. Solidarität mit Gott und denen, die ihre Entscheidung auch für Gott getroffen haben. Als Jesus kam und eine neue Zeit angebrochen ist und ein für alle mal fest stand, dass jeder, der Gottes Opfer für uns Menschen angenommen hat mit Gott ewig leben wird, haben die Begriffe rein und unrein ihre Wirkung verloren. In Markus 7, 19 sagt Jesus – und er bezieht es in diesem Zusammenhang auf das Essen, ist aber auf alle Lebensbereiche anzuwenden: (Hfa): „«Denn was ihr esst, geht nicht in euer Herz hinein; es kommt in den Magen und wird dann wieder ausgeschieden.» Damit wollte Jesus sagen, dass im Grunde jede Nahrung rein ist.“ Essen, Trinken, Kleidung, Sauberkeit uvm. hat nichts mit unserem ewigen Leben zu tun, sondern mit der Lebensqualität. Leider sind viele der Israeliten abhängig geblieben von Formen, Gewohnheiten, religiösen Vorstellungen. Und es ist auch ein Phänomen unserer Zeit. Besonders auf dem religiösen Gebiet. Es wird mir immer klarer, wie schwierig es ist, sich mit Neuem anzufreunden und zur entspannten, freien und beziehungsreichen Art zu leben, hinzufinden.
Zurück zu unserem Ausgangstext. Gott ist wie ein richtig guter Papa. Jesus bringt es auf den Punkt. Bei allen Vorstellungen, Gewohnheiten, Theologischen Meinungen, unterschiedlichen Kirchen und Gemeinschaften, gibt es einen, der mit dir und mir in Beziehung sein will. Gott, als dein Papa, der über allem Geschehen auf dieser Erde dein und mein Ruhepunkt ist. Der uns versteht, auch in unseren Unfertigkeiten nahe ist. Den perfekten Menschen in seinem Denken außen vor lässt. Der dich und mich ernst nimmt in unserem Fühlen, Denken und Entscheiden. Unsere Persönlichkeit fördert, unserer Freiheit Wege aufzeigt, damit wir zu ihr finden können, uns ermutigt zu experimentieren und uns selbst wahr und ernst zu nehmen. Ulrich Schaffer schreibt in einer seiner neuen Publikationen unter dem Titel „Du“ u. a. folgendes: „Du bist stark genug, die Wahrheit zu ertragen. Manchmal wirst du überflutet von Tatsachen, die dich erschrecken, herausfordern, lähmen. Du spürst, dass du überfordert wirst. Aber du ahnst, dass es nicht so ist. Sieh es als Zutrauen des Lebens: Die Wahrheit ist dir zumutbar, weil du über eine besondere Stärke verfügst. Vielleicht bist du stärker, als du vor dir selbst zugibst. Stetig bist du gewachsen, hast bisher alles geschafft, bist in jeder Herausforderung reifer geworden, wenn auch manchmal mit Verzögerungen. Dein Leben ist ein Siegeszug über die Umstände. Du hast durchgehalten, bist noch da, bist belastbar, bist sogar fähig, anderen noch beim Tragen zu helfen. Freue dich, feiere dich. Du bist zu Erstaunlichem fähig.“ Auf diesem Weg hast du einen Papa an der Seite, den nichts aus der Bahn wirft. Und wir werfen ihn durch unser Verhalten schon gar nicht aus der Bahn, da wir seine Geliebten sind. Damit dürfen wir leben. Das macht unser Christsein aus. Mit Gott, unserem Papa kommen wir an das Ziel.
27.03.2009 o HJS ergänzt am 08.05.2009 o HJS
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